Neuigkeiten 19.02.2025

"Die Tänzerin von Ausschwitz"

In Erinnerung an die Befreiung von Auschwitz vor 80 Jahren besuchte die Ruhestandsgruppe der GEW-Oberhausen am Mittwoch, den 12. Februar die Wechselausstellung „Die Tänzerin von Auschwitz“ im jüdischen Museum Dorsten.

Min.

Roosje Glaser, eine junge Tänzerin in den Niederlanden, leitete eine Tanzschule, bis sie von ihrem Mann verraten wurde und untertauchen musste. Später folgten die Inhaftierung und Deportation nach Auschwitz. Roosje hat Auschwitz und den Todesmarsch durchlitten und überlebt.

Die Ausstellung empfand ich einerseits als sehr bedrückend. So überlebte Roosje Glaser nur mit viel Glück und u. a. nur deshalb, weil sie die SS-Vorgesetzten in Auschwitz für sich gewann und mit ihnen abends nach getaner Arbeit tanzte, weshalb der Originaltitel der Ausstellung „Dansen met de Vijand“ lautet. 
Andererseits machte mir das Leben Roosje Glasers Mut, weil sie es mit ihrer Willenskraft schaffte, ihren Lebensmut selbst in den unmenschlichsten Situationen zu bewahren. Doch wie steht es um die Belastbarkeit der Menschen in Deutschland heute, wenn z. B. bereits die Schutzmaßnahmen einer Corona-Pandemie bei vielen Bürgern zu psychischen Schäden führen?

Zum Glück ist die NS-Herrschaft vorbei und dennoch beschlich mich bereits bei Ankunft in Dorsten beim Anblick des Polizeiwagens vor dem Museum ein klammes Gefühl. Dieses ungute Gefühl verstärkte sich noch, als ich – wie bei einer Polizeiwache - nach Klingeln erst Einlass in einen Sicherheitstrakt erhielt, bevor ich das Gebäude betreten durfte. Die NS-Herrschaft ist in Deutschland zwar von den Alliierten gewaltsam zerschlagen worden, aber das intolerante bis rassistische Denken hat leider überlebt und scheint sich wie ein Geschwür in unserer Gesellschaft auszubreiten.

Nach Verlassen des Museums musste ich erst einmal tief ausatmen. Die trockene, kühle Luft auf dem Weg in die Innenstadt half dabei, meine trüben Gedanken wegzublasen. 
Der Café-Besuch mit Gedankenaustausch unter ähnlich Gesinnten tat nach dieser schweren Kost wohl allen ganz gut. 

„Der beste Wein ist der, den wir mit Freunden trinken.“

Fotos und Text Carsten Nußbaumer