Patenschaft für einen Stolperstein

13.06.2017: GEW übernimmt Patenschaft für einen Stolperstein

Auch in diesem Jahr sind in Oberhausen wieder Stolpersteine vom Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt worden. Die GEW Oberhausen unterstützte die Schülerinnen der Hauptschule Alstaden, die sich an dem Projekt beteiligten,  mit einer Spende in Höhe von 120,- €.
Schon im Herbst 2016 trafen sich die Schülerinnen mit Frau Otters,  einer Mitarbeiterin der Gedenkhalle, und verabredeten, über Josef Manikofski, einem Verfolgten des NS-Regimes, zu forschen. Bei den Recherchen im Stadtarchiv und im Landesarchiv in Duisburg stießen sie auf zahlreiche Informationen über seine Familie und seinen Lebenslauf. Besonders interessant fanden sie, alte Urkunden, Zeitungsartikel und Akten ausgehändigt zu bekommen und daraus Fakten und Daten sammeln zu können.
Allmählich ergab sich für sie ein vielschichtiges Bild eines Mannes, der nur auf Grund seiner Zugehörigkeit zur polnischen Minderheit von den Nazis verfolgt wurde: Josef Manikofski wanderte 1907 aus Polen nach Deutschland aus und ließ sich - vermutlich wegen der Arbeitsmöglichkeit im Bergbau - in Oberhausen nieder. Hier heiratete er auch. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Nach Gründung des  Polenbundes trat er 1923 dem Ortsverein Oberhausen  bei und wurde dort mit mehrjähriger Unterbrechung Schriftführer. Neben seinem Beruf  als Bergmann war er noch für den polnischen Schulverein tätig. Er unterrichtete Schreiben und Lesen in polnischer Sprache und war für die jährliche Kinderverschickung nach Polen zuständig. 1924 kandidierte er für die Polenpartei bei der Stadtverordnetenwahl.
Am 11.09.1939 wurde er von der Gestapo "als führender Kopf der polnischen Minderheit" festgenommen und später ins Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht. Sein Sohn Peter bat in mehreren Einlassungen darum, den Vater aus der Haft zu entlassen. In seinen Briefen beschwor er immer wieder die Treue seiner Familie zum deutschen Staat.  Im Mai 1940 hatte das tatsächlich Erfolg. Josef Manikofski kehrte nach 8 Monaten Haft zurück nach Oberhausen, wurde jedoch weiter von der Gestapo überwacht und musste sich regelmäßig bei der Polzei melden. Er überlebte das Dritte Reich und verstarb erst 1973.
Nachdem die Schülerinnen dies alles über Manikofski herausgefunden hatten, wollten sie natürlich auch gerne Kontakt zu seinen Nachkommen aufbauen, um sie gegebenenfalls zur Stolpersteinverlegung einzuladen. Hier erhielten sie viel Unterstützung von Frau Otters, die die verschiedensten Meldeämter in Deutschland kontaktierte. In einem Fall hatten sie das Glück, Enkelinnen ausfindig zu machen, die auch tatsächlich bereit waren, nach Oberhausen zu kommen. Man verabredete im Anschluss an die Steinverlegung ein Zusammentreffen und so entstand ein reger Austausch vor allem über die Nachkriegszeit, in der die Enkelinnen ihren Großvater erlebt hatten.
Die Schülerinnen erfuhren durch die Recherche für den Stolperstein, dass Verfolgung im Dritten Reich nicht irgendwo abstrakt stattgefunden hat, sondern ganz konkret hier in Oberhausen, quasi vor ihrer Haustür, denn Manikofski wohnte genau wie sie in Alstaden. So hatte für sie auch der Titel der aktuellen Ausstellung in der Gedenkhalle über die Stolpersteinverlegung in diesem Jahr, an deren Eröffnung sie ebenfalls mitwirkten, direkte Bedeutung: „Es war gleich nebenan.“